Robert Griess in Rio de Janeiro
Als erster deutschsprachiger Kabarettist überhaupt ist der Kölner Robert Griess am 26.März in Rio de Janeiro aufgetreten.
Unter dem Motto „Kabarett unterm Zuckerhut“ luden der Städtepartnerschaftsverein Rio-Köln e.V. und in Rio lebende Deutsch-Brasilianer mit Werbeunterstützung des Goethe-Instituts und der Deutschen Schule zu einem Abend mit scharfer politischer Satire ein. Die Veranstaltung fand im 1821 von deutschen Kaufleuten gegründeten Club Sociedade Germania statt und wurde in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen deutschen Botschafter von Nicaragua, Christoph Bundscherer, der in Rio lebt, organisiert.
Der Veranstaltungssaal war vollbesetzt und die Stimmung prächtig. Robert Griess war rundum zufrieden: „Ich fragte mich vorher, ob die vielen Themen, die in Deutschland gehen – z.B. Bundeswehrkrise, Bildungskrise, Bahn-Krise – auch hier in Rio für Lacher sorgen, aber der miserable Zustand der Bahn zum Beispiel hat sich auch in Rio schon herumgesprochen. Das Publikum erwies sich als bestens informiert und die Stimmung war entsprechend phantastisch.“
Eine der Vor-Ort-Organisatorinnen – die Deutsch-Brasilianerin Uta Esperanca – war ebenfalls hoch zufrieden: „Der Auftritt zeigt, dass kultureller Austausch eben weit mehr ist als nur Karneval. Wir haben von Herrn Griess viel gelernt über Köln und Deutschland, aber eben auf unnachahmlich amüsante Art und Weise. Kabarett ist dafür die perfekte Kunstform, weil man über Dinge lachen kann, die sonst schlechte Laune machen. Griess ist darin ein Meister.“
Spontan boten gleich mehrere alteingesessene Deutsch-Brasilianer Griess eine Stadtführung für den nächsten Tag an, was Griess gern annahm. Deutschsprachige Prominenz aus Rio war auch reichlich präsent. Der ehemalige Chef der Deutschen Schule von Rio war ebenso vor Ort wie der örtliche Leiter des DAADs, weitere Diplomaten und sogar der ehemalige Reichskanzler Fürst Bismarck – der als Büste im Zuschauersaal.
Griess ging in seinem Programm auf zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen Rio und Köln(beide Städte werden in zahllosen Liedern besungen, beide glauben, sie haben den besten Fußballverein und das leckerste Bier der Welt und beide werden von Konkurrenz zum Nachbarn geplagt: Was den einen ihr Düsseldorf, ist den andern ihr São Paulo) ein und machte ansonsten viel Satire über die aktuellen Missstände in Deutschland – von der Neuverschuldung über die Re-Militarisierung der Gesellschaft bis hin zu Wohnungsnot ließ Griess kaum ein Thema aus, um das Publikum bei hochsommerlichen Temperaturen zum Lachen zu bringen. Selbst über den bayrischen Ministerpräsidenten wurde in Rio laut gelacht, denn auch dort weiß man, was Griess ansprach: „Söder schwimmt immer als Weißer Hai los und kommt als Bismarckhering an.“
Die brasilianischen Gastgeber und der Kölner Künstler waren sich hinterher einig: „Das sollten wir unbedingt wiederholen. Herr Griess soll bald wiederkommen.“ Griess, dessen Kölner Stammbühne das Senftöpfchen-Theater ist, abschließend: „Es gibt unangenehmere Auftrittsorte als diese wunderbare Stadt. Und die Gastfreundschaft hier ist schlicht unglaublich.“ Nach einigen Streifzügen durch Rio inklusive Ipanema und Copacabana ging es für Griess anschließend per Schiff zurück nach Europa.
